27.10.2026 9 Min. Lesezeit

Weniger Rezeptionsarbeit durch Digitalisierung

Wie Knattercamping manuelle Rezeptionsarbeit um mindestens 70 % reduzierte: von Reservierungen per E-Mail und Papierlisten zu Self-Service, Gästemappe und JUHUU PMS

Knattercamping in Bantikow hat seine Abläufe in wenigen Jahren konsequent digitalisiert

Reservierungen abtippen, Schrankenmedien ausgeben, Duschmarken verkaufen und Brötchenlisten führen gehörten früher zum Alltag. Heute laufen viele dieser Prozesse automatisiert oder im Self-Service. Knattercamping konnte die manuelle Rezeptionsarbeit gegenüber der früheren Arbeitsweise mit Tourist.pro um mindestens 70 % reduziert werden.

Das Interessante daran: Es geht eigentlich gar nicht um Software. Es geht um Zeit.

Zeit, die früher mit Abschreiben, Listen, Karten, Münzen und immer denselben Fragen verbracht wurde. Und Zeit, die heute wieder für Gäste da ist.

Ein Campingplatz mit bis zu 700 Gästen – und ziemlich vielen Geschichten

Knattercamping liegt in Bantikow am See in der Prignitz, rund eine Autostunde nordwestlich von Berlin. Betreiberin Nadine Siemer führt den Familienbetrieb gemeinsam mit ihrem Bruder. In der Hauptsaison verbringen auf 180 Stellplätzen bis zu 700 Gäste gleichzeitig ihren Urlaub.

Wer jetzt an ein bisschen Check-in, Schlüsselübergabe und Platzzuweisung denkt, unterschätzt den Job. Nadine Siemer kümmert sich um Buchungen, Personal, Investitionen und die Weiterentwicklung des Campingplatzes. DIE ZEIT hat sie im Juli 2026 für den Podcast Frisch an die Arbeit begleitet. Schon der Titel trifft ihren Arbeitsalltag ziemlich gut: „Ich sehe mich manchmal als Bürgermeisterin.“ Im Podcast sagt Nadine einen Satz, der für ziemlich gut erklärt, warum sich Digitalisierung auf einem Campingplatz überhaupt lohnt:

Für einen Campingplatz braucht man eine riesengroße Portion Herz.

Das Herz sollte nur möglichst wenig Zeit damit verbringen, Reservierungen abzutippen.

Wie sah die Campingplatz-Verwaltung bei Knattercamping früher aus?

Vor rund drei Jahren arbeitete Knattercamping noch mit Tourist.pro auf einem eigenen Server. Onlinezahlung über dieses System war nicht möglich. Wurde eine Reservierung beispielsweise über camping.info online gebucht und bezahlt, kam sie per E-Mail beim Campingplatz an.

Und dann?

Dann wurde sie abgeschrieben. Die Daten aus der Onlinebuchung mussten von Hand in Tourist.pro übertragen werden. Nach Angaben von Knattercamping war allein eine Mitarbeiterin teilweise rund eine Stunde pro Tag damit beschäftigt, Reservierungen einzutragen.

Eigentlich absurd, wenn man darüber nachdenkt: Der Gast hatte bereits digital gebucht. Die Buchung war bereits digital vorhanden. Und trotzdem saß am Ende ein Mensch da und tippte sie noch einmal in ein anderes System. Dazu kamen die Provisionen des Buchungsportals. Aber die Reservierung war nur der Anfang.

Schrankenkarte, Pfand, Duschmünze, Brötchenliste

Wenn der Gast ankam, begann die nächste Runde. Für die Zufahrt gab es Schrankenmedien. Diese wurden an der Rezeption ausgegeben, ein Pfand musste verwaltet und bei der Rückgabe wieder verrechnet werden. Duschen funktionierten über Duschmünzen. Wer morgens Brötchen wollte, wurde in eine Liste eingetragen. Wer ein Boot mieten wollte, löste den nächsten manuellen Vorgang aus. Dazu kamen Shop, Fragen, Änderungen und all die kleinen Dinge, die während eines Campingurlaubs passieren. Keiner dieser Prozesse ist für sich genommen besonders dramatisch. Das Problem ist die Summe. Fünf Minuten hier. Zwei Minuten dort. Eine Liste zwischendurch. Eine Rückfrage. Eine Buchung übertragen. Eine Karte zurücknehmen. Und am Ende des Tages hat das Team erstaunlich viel gearbeitet, ohne wirklich Zeit mit einem Gast verbracht zu haben.

Der erste Schritt: Cloud statt Server, Kennzeichen statt Schrankenkarte. Mit Camping.care machte Knattercamping den ersten großen Technologiesprung. Die Campingplatzverwaltung wanderte in die Cloud. Gleichzeitig wurde die Zufahrt über Kennzeichenerkennung automatisiert. Damit verschwand ein kompletter Rezeptionsprozess. Keine Schrankenkarte mehr ausgeben. Kein Pfand kassieren. Keine Karte bei der Abreise zurücknehmen. Auch die Duschmünzen wurden abgeschafft. Duschen ist heute inklusive. Zwei kleine Dinge weniger. Bei Hunderten Gästen aber ziemlich viele Handgriffe weniger.

Was übrig blieb, waren unter anderem Brötchenbestellungen, Verleih, Shop und die Kommunikation rund um den Aufenthalt. Und genau dort setzte der nächste Schritt an.

Mit JUHUU PMS werden aus einzelnen Vorgängen ein digitaler Aufenthalt

Mit JUHUU PMS wurden weitere Prozesse auf einer Plattform zusammengeführt. Brötchenbestellung, Verleih und Shop können digital abgebildet werden. Hinzu kommt das Gäste-Portal beziehungsweise die digitale Gästemappe für Informationen und Anliegen rund um den Aufenthalt. Shop, Brötchen, Verleih und Gäste-Portal gehören auch heute zum Funktionsumfang von JUHUU PMS. Der wichtige Unterschied ist dabei nicht: Wir machen aus einer Papierliste eine digitale Liste. Sondern: Wir versuchen, die Liste ganz abzuschaffen.

Ein Beispiel sind Brötchen.

Früher sagt der Gast an der Rezeption, was er möchte. Jemand schreibt es auf. Die Bestellungen müssen zusammengeführt werden. Vielleicht ändert jemand noch etwas. Irgendwann wird gezählt und abgerechnet. Digital bestellt der Gast selbst. Die Bestellung liegt bereits strukturiert vor. Das Team bekommt die fertige Übersicht. Genau so beschreibt JUHUU heute auch den digitalen Brötchenprozess: Der Gast wählt selbst Sorte, Menge und Tag; daraus entsteht automatisch die Übersicht für den Campingplatz. Das klingt nach einer Kleinigkeit. Und genau das ist der Punkt.

Campingplätze verlieren nicht unbedingt Zeit an einer riesigen Aufgabe.

Sie verlieren sie an sehr viele Kleinigkeiten.

Was bringt eine digitale Gästemappe auf dem Campingplatz?

Dasselbe Prinzip gilt für Informationen. Wann kann ich anreisen? Wie komme ich auf den Platz? Wo finde ich was? Wie funktioniert der Brötchenservice? Kann ich etwas ausleihen? Ich komme später – was jetzt? Kann ich meine Reise ändern?

Natürlich kann man all diese Fragen persönlich beantworten. Aber muss man? Bei Knattercamping bekommen Gäste relevante Informationen digital rund um ihren Aufenthalt und können Änderungswünsche über die Gästemappe übermitteln.

Das verändert die Anreise. Gäste kommen informierter an. Viele Standardfragen entstehen gar nicht erst. Und die Fragen, die dann noch bleiben, sind häufig genau die, für die eine Rezeption da sein sollte.

Digitalisierung ersetzt nicht den Gastgeber

Das ist für uns der entscheidende Punkt dieser Geschichte. Eine Reservierung abzutippen braucht keinen Gastgeber. Eine Schrankenkarte auszuhändigen braucht keinen Gastgeber. Eine Duschmünze zu verkaufen braucht keinen Gastgeber. Zum hundertsten Mal dieselbe Anreiseinformation zu verschicken braucht ebenfalls keinen Gastgeber.

Ein Gast mit einem echten Problem? Der schon. Und davon gibt es auf einem Campingplatz genügend.

Im ZEIT-Podcast erzählt Nadine zum Beispiel davon, was passiert, wenn es im Sommer tagelang regnet und die Stimmung bei den Urlaubern langsam kippt. Ein Satz eines Gastes ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Eigentlich wollten wir am Wasser stehen. Jetzt stehen wir im Wasser.“

Da hilft kein automatisierter Check-in. Da hilft ein Mensch. Vielleicht ist das deshalb die bessere Definition von Digitalisierung im Tourismus: Automatisiere nicht den Kontakt zum Gast. Automatisiere die Arbeit, die dich davon abhält, Zeit für den Gast zu haben.

Das Ergebnis: mindestens 70 % weniger manuelle Rezeptionsarbeit

Vergleicht Knattercamping den heutigen Betrieb mit den früheren Prozessen rund um Tourist.pro, fällt die Bilanz deutlich aus: Nach Angaben von Knattercamping konnte die manuelle Rezeptionsarbeit um mindestens 70 % reduziert werden.

Merken die Gäste etwas von der Digitalisierung?

Ja – aber anders, als man vielleicht denkt. Die Erfahrung bei Knattercamping zeigt: Gäste kommen mit Self-Service sehr gut zurecht. Digitale Prozesse werden nicht als Hürde wahrgenommen, sondern zunehmend als selbstverständlicher Teil der Reise. Besonders deutlich wird das beim Bezahlen. Noch vor kurzer Zeit gehörte Bargeld für viele Campinggäste ganz selbstverständlich zum Urlaub. Heute hat sich das Verhalten spürbar verändert: Knattercamping setzt inzwischen konsequent auf Kartenzahlung und bevorzugt Kreditkartenzahlungen statt Bargeld.

Ein bemerkenswerter Wandel in relativ kurzer Zeit – und ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich Erwartungen verändern können, wenn digitale Prozesse einfach funktionieren.

Was hat JUHUU camp damit zu tun?

Digitalisierung kann nicht nur Arbeit reduzieren. Sie kann auch neue Gäste erreichen. Neben JUHUU PMS nutzt Knattercamping JUHUU Creator und JUHUU.camp, um den Platz digital sichtbar zu machen und zusätzliche Zielgruppen anzusprechen.

Nach Angaben von Knattercamping kamen 8 % neue Gäste über JUHUU camp.

Diese Zahl betrachten wir bewusst getrennt von der 70-%-Einsparung.

Denn es sind zwei unterschiedliche Aufgaben: JUHUU Creator und JUHUU camp helfen vorne dabei, entdeckt zu werden. JUHUU PMS hilft hinten dabei, aus einem neuen Gast nicht automatisch mehr Verwaltungsarbeit zu machen. Für einen Campingplatz ist genau diese Verbindung spannend. Denn mehr Buchungen sind nur dann uneingeschränkt gute Nachrichten, wenn der operative Aufwand nicht im gleichen Verhältnis mitwächst.

Und Knattercamping ist noch nicht fertig

Wer Nadine im ZEIT-Podcast zuhört, versteht schnell: Stillstand passt nicht besonders gut zu ihrer Vorstellung vom Unternehmertum. 2027 soll die nächste Stufe folgen.

KI soll Telefon und E-Mail unterstützen

Viele Anfragen an Campingplätze wiederholen sich. Wann kann ich anreisen? Ist noch etwas frei? Darf mein Hund mit? Kann ich später kommen? Kann ich verlängern? Was ist inklusive? Knattercamping möchte Telefon und E-Mail deshalb künftig durch KI unterstützen. Das Ziel ist nicht, dass niemand mehr mit einem Menschen sprechen darf. Das Ziel ist, das Volumen wiederkehrender E-Mails und Anrufe deutlich zu reduzieren und dem Team mehr Zeit für die Anliegen zu geben, die tatsächlich persönliche Aufmerksamkeit benötigen.

Es geht nicht darum, möglichst viel Technik auf einen Campingplatz zu bringen. Es geht darum, Technik an den Stellen einzusetzen, an denen sie etwas besser kann als ein Mensch.

Fazit: Ein Campingplatz braucht Herz. Die Software darf sich um den Rest kümmern

Knattercamping zeigt ziemlich gut, was wir bei JUHUU unter Digitalisierung verstehen. Nicht noch ein Dashboard. Nicht noch ein System, das jemand zusätzlich bedienen muss. Sondern weniger Arbeit. Eine Reservierung, die niemand mehr abtippen muss.

Häufige Fragen zur Digitalisierung von Campingplätzen

Wie kann ein Campingplatz manuelle Rezeptionsarbeit reduzieren?

Der größte Hebel liegt in häufig wiederkehrenden Prozessen: Buchungsübertragung, Zahlungen, Zufahrt, Gästeinformation, Zusatzleistungen, Bestellungen und Standardkommunikation. Werden diese Prozesse verbunden und als Self-Service angeboten, muss die Rezeption deutlich weniger einzelne Vorgänge bearbeiten. Knattercamping gibt an, seine manuelle Rezeptionsarbeit gegenüber den früheren Prozessen mit Tourist.pro um mindestens 70 % reduziert zu haben.

Was bringt eine digitale Gästemappe auf einem Campingplatz?

Eine digitale Gästemappe stellt Informationen rund um Anreise und Aufenthalt direkt für den Gast bereit und kann Self-Service-Prozesse mit der Buchung verbinden. Dadurch müssen häufige Fragen nicht immer wieder persönlich, telefonisch oder per E-Mail beantwortet werden.

Kann ein Campingplatz Brötchenbestellungen digitalisieren?

Ja. Bei einer digitalen Brötchenbestellung wählen Gäste Sorte, Menge und Bestelltag selbst. Der Campingplatz erhält daraus eine strukturierte Bestellübersicht. Damit entfällt das manuelle Sammeln und Übertragen einzelner Bestellungen.

Macht Self-Service einen Campingplatz unpersönlicher?

Nicht zwangsläufig. Self-Service eignet sich vor allem für standardisierte Vorgänge. Dadurch kann das Team mehr Zeit für persönliche Betreuung verwenden. Bei Knattercamping finden sich in aktuellen Bewertungen sowohl Hinweise auf digitale Brötchenbestellung als auch sehr positive Bewertungen der Mitarbeiterfreundlichkeit.

Wie kann KI eine Campingplatz-Rezeption unterstützen?

KI kann insbesondere bei wiederkehrenden E-Mail- und Telefonanfragen unterstützen, sofern sie auf korrekte und aktuelle Informationen zugreifen kann. Knattercamping plant für 2027, Telefon und E-Mail mit KI zu unterstützen und damit das Anfragevolumen für das Team zu reduzieren.

Was ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und Automatisierung?

Digitalisierung überführt einen analogen Vorgang in einen digitalen Prozess. Automatisierung geht einen Schritt weiter: Sie reduziert oder beseitigt die menschliche Arbeit innerhalb dieses Prozesses. Eine Papier-Brötchenliste durch eine Excel-Tabelle zu ersetzen ist Digitalisierung. Wenn Gäste selbst bestellen und daraus automatisch die fertige Bestellübersicht entsteht, wird Arbeit automatisiert.

Bereit für weniger Büro und mehr Gäste?

In Minuten startklar — Stellplätze anlegen, Preise setzen, Widget einbetten. Ohne Provision, monatlich kündbar.

Fragen vorab? Schreib uns — Demo, Beratung oder Wechsel vom Altsystem.